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Textilien aus Hanf

Die ältesten Funde zur Verwendung von Hanffasern für die Fertigung von Textilien stammen aus China um 2800 v. Chr., wo Seile aus Hanffasern erzeugt wurden. Verwendung fand die Pflanze aber wohl schon seit der Yangshao-Kultur im 4. Jahrtausend v. Chr. Seit etwa 900 v. Chr. fand der Hanf auch in Westasien und Indien Verbreitung. Das älteste Textilfragment aus Hanffasern stammt aus einem Grab der Zhou-Dynastie (1122–770 v. Chr.), nahe Ankara wurden Hanftextilien aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. gefunden. Um 500 v. Chr. ist der Hanfanbau für den Raum zwischen China und dem Kaspischen Meer anzunehmen. In Europa wurde die Hanftextilherstellung ebenfalls durch Grabfunde nachgewiesen; hier stammt das älteste gewebte Fragment aus einem keltischen Grabhügel in der Nähe von Stuttgart aus einer Zeit etwa 500 v. Chr. und ein weiteres mit aufbereiteten Hanffasern aus einer Zeit um das Jahr 570 fand sich nahe Paris. Bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. fand Hanf, vor allem in Form von Tauen und ähnlichen Produkten, den Weg bis nach Italien.

Im Spätmittelalter war Hanf neben dem Flachs die wichtigste Industriepflanze. Wegen der großen Reißfestigkeit wurden daraus vor allem Segeltuche, Seile und Säcke gefertigt, zu Tuch wurde er hingegen aufgrund der Grobheit nur selten verarbeitet. Den Höhepunkt der Nutzung erfuhren Hanffasern im 17. Jahrhundert, wo sie vor allem zur Produktion von Seilen und Segeltuch für die Schifffahrt verwendet wurden; für ein normales Segelschiff wurden etwa 50 bis 100 Tonnen Hanffasern benötigt und die Materialien wurden durchschnittlich alle zwei Jahre ersetzt. Im 19. Jahrhundert ging der Bedarf in der Schifffahrt zurück, da viele Schiffe auf Dampfkraft umgestellt wurden und Segeltuch nicht mehr benötigt wurde.

Im 20. Jahrhundert wurde die erste Jeans von Levi Strauss aus Hanfstoff gefertigt und war in Folge der Inbegriff der Hanfhose für die Goldsucher, welche strapazierfähige Kleidung benötigten. Später dann wurde die Baumwolle – das „Cotton" – vermarktet und begann den Siegeszug in der Textilindustrie.

Hanffasern sind besonders lang, reißfest und widerstandsfähig. Sie verlaufen in Stängelrichtung, sind ringförmig um den Stängel herum angeordnet und stützen die 2 bis 4 m hohe Pflanze. Sie bestehen hauptsächlich aus Zellulose und Hemizellulose. Im Aufbau ähneln Hanffasern den Baumwollfasern.

Anders als bei Baumwolle müssen die Fasern in den Hanfstängeln aber zunächst aufgeschlossen werden. Ein erster Schritt dabei ist die sogenannte Röste. Man erhält bei der traditionellen Wasserröste die wertvollen Langfasern und das Werg. Werg ist ein Gemisch aus Kurzfasern und Schäben.

In technisierten Verarbeitungsketten wie der Feldröste erzeugt man ausschließlich Kurzfasern unterschiedlicher Qualität und zusätzlich Schäben. Lang- und Kurzfasern von Hanf gehören zu den reißfestesten Naturfasern. Das macht sie als Ersatz von Glasfasern interessant. Die Faserfeinheit ist zum einen für gute Isolier- und Dämmwirkung im Häuserbau wichtig und zum anderen für die Weiterverarbeitung zu Garnen. Die Langfasern von Hanf sind qualitativ vergleichbar mit bester Maco-Baumwolle und haben einen natürlichen Glanz. Man fertigt aus ihnen Kleidungsstücke mit hohem Tragecomfort. Hanfhemden und Hanfjeans sind kühl auf der Haut, antiallergisch und sehr strapazierfähig.

Vorzüge von Textilein aus Hanf: In erster Linie sind die hautfreundlichen Eigenschaften der Hanffaser zu nennen. Die ganz spezifische mikroelektronische Spannung der Hanffaser, die genau dem gleichen Spannungsklima unserer Haut entspricht, gleicht Spannungen aus und lädt sich nicht künstlich auf. Aus diesem Grund kann die Hanffaser als das exakte Gegenteil zur Kunstfaser bezeichnet werden. Hanfbekleidung wirkt damit leicht und entspannend. Die Trageeigenschaften von Kleidungsstücken aus Hanf sind durch die Feuchtigkeitsregulierung hervorzuheben, denn sie können bis zu 30 Prozent der Feuchtigkeit aufnehmen, die am Körper während des Tragens entsteht. Die Hanfkleidung bleibt dabei selbst angenehm trocken auf der Haut und damit ist ein idealer Begleiter an heißen Sommertagen. Es gibt dazu keine Geruchsbildung und die Hanfhose oder Hanfbluse bleibt länger frisch, als Kleidungstücke aus Baumwolle. Hier muss nicht so oft gewaschen werden!

Vorteile von Hanf gegenüber Baumwolle

Selbst bei nicht-biologischem Anbau benötigt Hanf keinerlei Pestizide oder Unkrautvernichter und nur geringe Mengen Dünger, um sich prächtig zu entwickeln.
Im Gegensatz dazu benötigt Baumwolle riesige Mengen an sowohl Pestiziden als auch Unkrautvernichtern, um ordendlich zu wachsen. Auf Baumwolle entfallen etwa 2,5% des landwirtschaftlich genutzten Landes weltweit und gleichzeitig unglaubliche 16% der weltweit verwendeten Pestizide. Unter den gefährlichen Chemikalien, die auf Baumwolle angewendet werden, finden sich Aldicarb, Phorat, Methamidophos und Endosulfan.
Für die globale Baumwollproduktion werden jährlich 256 Kubikkilometer Wasser benötigt – genug Wasser, um jeden Erdenbürger pro Tag mit 120 Litern Frischwasser zu versorgen. Genetisch veränderte Baumwolle ist zudem besonders empfindlich bei Witterungsschwankungen: Ist die Bewässerung unregelmäßig oder fegt ein Sturm über das Feld hinweg, kann dies das Aus für die gesamte Ernte bedeuten. Gleichzeitig verlangt der konventionelle, nicht-biologische Anbau den Einsatz großer Mengen an Insektiziden und Pestiziden, was wiederum zur Auslaugung und Versalzung der Böden führt. Die Qualität und der Preis der chinesischen Baumwolle hat in den letzten Jahren daher so gelitten, dass die Volksrepublik im letzten Jahr sogar drei Millionen Tonnen des Stoffs aus den USA importieren musste.

Hanf stellt hier eine ökologisch verträgliche und vor allem anspruchslose und schnell nachwachsende Alternative dar. Hanf braucht wenig Wasser, wurzelt bis zu fast 1,5 Meter in die Tiefe und wächst so auch auf ausgelaugtesten Böden und ist extrem pflegeleicht, was den Einsatz von Pestiziden fast obsolet macht. Und auch für den Klimaschutz hat Hanf etwas in Petto: pro Hektar Anbaufläche nimmt Hanf etwa doppelt so viel CO2 auf wie Baumwolle.

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